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Gleisdreieck

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VÖ 03.03.2017
Das neue Album
Erhältlich als CD / Deluxe Edition / Vinyl / Digital
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VÖ 17.02.2017

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Biografie

Joy Denalane hat deutschen Soul erfunden und damit deutschen Pop geprägt. Sie hat mit Freundeskreis und Max Herre gearbeitet und ihre ganz eigene Stimme gefunden. Viele ihrer Songs sind für die Ewigkeit. Mit ihrem ersten neuen Album seit sechs Jahren macht sie sich auf die Suche nach ihrer Identität – und zeichnet dabei fast beiläufig ein Bild ihrer Heimatstadt Berlin im Hier und Jetzt.
 
Das Berliner Gleisdreieck ist ein seltsamer Fleck in einer sich ständig ändernden Stadt. Ein ewiger Nicht-Ort zwischen Ost und West, mitten in Berlin und gleichzeitig am Rande der Stadt, morbides Brachland zwischen disparaten Welten, voll von Schutt und Schotter und Schatten, auch wenn die große Mauer, die ihn einst vom Potsdamer Platz hinüberwarf, schon lange nicht mehr steht.
 
Für Joy Denalane ist dieser Ort dennoch voller Bedeutung. Hier ist sie aufgewachsen, in der Kurfürstenstraße, die derzeit die ganze Wucht der Veränderung zu spüren bekommt, ihre düstere Vergangenheit aber nur leidlich verbirgt. Hier hat Joy zwischen stillgelegten Bahngleisen gespielt, stets im Gefolge ihrer beiden großen Brüder, die ihr erst Schöneberg und später HipHop gezeigt haben. Hier ist sie geworden, wer sie heute ist: eine von Deutschlands ausdrucksstärksten, einflussreichsten und mithin besten Sängerinnen der letzten 20 Jahre.
 
Noch mal kurz zur Erinnerung: 1999 nahm Joy Denalane mit Max Herre das Duett “Mit dir” auf. Es erschien auf dem zweiten Album der Gruppe Freundeskreis, “Esperanto”, und war sehr, sehr erfolgreich. Der Rest ist, wie es ein bisschen zu häufig, in Denalanes Fall aber völlig zurecht heißt, Geschichte. Als Teil der FK Allstars half sie mit, das Land der “Liedermacher” nachhaltig zu entkrampfen und deutschsprachigem HipHop und Pop den Weg in jene Selbstverständlichkeit zu ebnen, in der er heute prosperiert. 2002 erschien ihr Debüt “Mamani”, die erste ernstzunehmende Soul-Platte in deutscher Sprache. Es folgten: Zwei weitere Top-10-Alben, “Born & Raised” und “Maureen“. Auftritte in den USA, Frankreich, Südafrika, Japan, England. Kollabos mit unter anderem Common, Bilal, Tweet, Raekwon, Lupe Fiasco, Afrob, Sékou, Gentleman, Megaloh, Chefket, Max Herre und dem MDR-Sinfonieorchester.
 
Joy Denalane ist durch und durch Musikerin. Ihre Welt ist Klang, Gesang ist ihre Art, Gedanken zu ordnen und Gefühle zu kanalisieren. Auch deswegen hat sie in all den Jahren nie aufgehört, Musik zu schreiben, aufzunehmen und Shows zu spielen. Zuletzt arbeitete sie in New York gemeinsam mit Sway Clarke und ihrem langjährigen Weggefährten Sékou Neblett an einem Album im Stil von Ike & Tina Turner. “Aber das war’s einfach nicht. Also bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt: Was sind die Gedanken, die mich gerade wirklich umtreiben? Was habe ich zu sagen? Wer bin ich eigentlich?” Diese Fragen führten sie zurück nach Berlin. Zurück ans Gleisdreieck, das sich plötzlich auch als Symbol lesen ließ: eine Gabelung ins Ungewisse, in die Vergangenheit und die Zukunft.
 
Wenn in “Gleisdreieck” – der Platte, die nun am Ende dieser “langen Reise” steht – überhaupt eine Gewissheit steckt, dann jene, dass es im Leben keine Gewissheit gibt. Dass ein winziger Moment Jahrzehnte alte Überzeugungen spalten und säuberlich austarierte Konstellationen aus der Balance bringen kann. Dass wir alle verwundbar sind, egal was wir erlebt, getan, erreicht haben. “Ich bin ein tough cookie”, sagt Joy Denalane. “Ich bin in dem Bewusstsein groß geworden, dass ich etwas durchsetzen kann, wenn ich es wirklich will. Dabei habe ich mich immer als unverwundbar empfunden. Ab durch die Mitte, komme was wolle, ich mach’s klar. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich jederzeit aus diesem Leben gerissen werden könnte. Das Gefühl der Unverwundbarkeit ist verloren gegangen, und das hört man auf diesem Album. Das mag traurig klingen, aber letztlich ist es vor allem eine Erkenntnis. Die Scheuklappen sind weg.”
 
Auf dieser Erkenntnis gründen die Songs auf “Gleisdreieck”. Einige von ihnen berühren persönliche Erfahrungen: Tod, Trennung, Neuanfänge, das Muttersein. Andere kommen eher aus der Perspektive einer Beobachterin, die vier Jahrzehnte Berlin und eine entsprechende Menge Irrsinn hat vorbeiziehen sehen. Wieder andere sind Hybride aus Erlebtem und Aufgeschnapptem. Allen gemein aber ist eine lyrische Klarheit, wie sie nicht unbedingt typisch ist für die Klangfanatikerin und Instinktsängerin Joy Denalane. Diese Klarheit wirkt manchmal mondän und gelassen, manchmal fragil und fantastisch. Immer ist sie: direkt und ehrlich. Es ist keine Kulisse mehr zwischen Joy Maureen Denalane aus Kreuzberg 61 und Deutschlands Soul-Diva No. 1, keine Schnörkel und Kapriolen in der Stimme, die notfalls als Auffangnetz herhalten könnten. “Ich habe die Songs diesmal nicht so ausgesungen, bewusst nicht das gesamte Sängerspektrum ausgepackt. Mir waren andere Dinge wichtiger: ein Wort zu transportieren, eine Geschichte zu erzählen und vor allem ein Gefühl zu vermitteln.”
 
Das Album beginnt mit einem geisterhaften Gedicht und einem Sonnenstrahl im Fensterspalt. “Die beste Zeit ist morgens, blaue Stunde”, singt Joy Denalane. Es ist ein Liebeslied an die naive Hoffnung, die jeder neue Tag mit sich bringt. Verzückter, heller Cloud-R&B ganz ohne Wolken. “Ich kann den Himmel berühren, die Weichen verstellen” – diese Zuversicht trägt “Gleisdreieck” auch in seinen finsteren Momenten. Die alltägliche, sehr menschliche Superkraft, das Phobische der Großstadt beharrlich beiseite zu schieben und den Blick auf das Wesentliche frei zu machen. Leben, das heißt eben auch, weiter an das Hehre zu glauben, wenn einen jeder Tag auf den Boden der Realität zurückholt.
 
In dieser Realität behandelt Joy Denalane Beziehungen, die quälend langsam zerbrechen (“Hologramm”), und solche, die gegen jede Vernunft beginnen (“Zwischen den Zeilen”). Sie beschreibt Nächte voller Gedanken (“Schlaflos”) und Nächte voller Eitelkeiten, wenn sich die berufsmäßigen VIPs und Gästelistenjäger über den Dächern der Metropole zum Wichtigtun treffen und nach Mitternacht den Ehering in die Hosentasche rutschen lassen (“So sieht man sich wieder”). Joy stellt sich nicht über diese vermeintlich ehrenlose Gesellschaft. Sie moralisiert nicht sondern erkennt Muster des Menschlichen. “Und ich wär’ gern weniger wie ihr”, heißt es am Ende des Songs.
 
In “Stadt” schließlich wechselt sie die Perspektive und erzählt aus der Sicht ihrer Heimat, die in Trümmern lag und auf Blüten, mal nichts war und mal obenauf. Der Ton ist mehr modern-day Brecht als Beyoncé, getränkt mit Lakonie und feinem Spott, aber auch mit Wärme und Sympathie für all die Menschen, die hier ihr Glück versucht haben: “Ihr meint, ihr könntet mich besitzen / Ihr werdet sehen, dass ihr euch täuscht / Denn ich nehm Besitz von euch / Und ich geb dir meine Schulter, wenn du dich an sie lehnst / Hab immer einen neuen Morgen für dich / Doch ich fange dich nicht auf, wenn du fällst / Wenn du fällst, fällt das auch nicht ins Gewicht.” So ist es, und so ist es immer gewesen – soll nur ja keiner der zuletzt Zugezogenen glauben, er wäre auch nur ansatzweise so besonders wie diese Stadt selbst.
 
Das emotionale Gerüst des Albums aber bilden die dezidiert autobiografischen Stücke. Gemeinsam mit ihren Songwriter-Kollegen Maxim, Tua, Jasmin Shakeri, Alex Freund, Ali Zuckowski, David Jürgens, Martin Fliegenschmidt und Max Herre hat Joy Denalane für “Gleisdreieck” einige der prägendsten Erlebnisse ihrer jüngeren Vergangenheit aufgearbeitet. So singt sie unter anderem über den Tod ihrer Mutter, ihre Beziehung zur außerehelichen Tochter ihres Mannes Max Herre, Begegnungen mit dem neuen Alltagsrassismus, oder das Gefühl, den eigenen Sohn aus den Armen zu lassen, obwohl man doch gefühlt selbst gerade noch der trotzige Teenager war, der partout nicht einsehen wollte, warum man pünktlich aus dem “Dschungel” oder dem “Riverboat” heimkommen sollte. Namen und andere Details spart Denalane dabei aus. Sie spielten auch keine Rolle. Man spürt trotzdem, dass da etwas ist: Ein Vorfall, eine Person, ein sehr reales Gefühl.
 
“Diese Platte ist auch deswegen so ehrlich, weil sie geprägt ist vom Austausch mit Freunden und Kollegen, die mir ganz unbefangen Fragen gestellt haben, auch unbequeme. Über meine Gefühle, Überzeugungen, mein Leben. Ich bin eigentlich ein Typ, der sein vertrautes Umfeld braucht, mein Camp. Raus zu gehen und mit Leuten, die ich bis dahin nicht so gut bis überhaupt nicht kannte, über Dinge zu reden, die ans Eingemachte gehen, war neu für mich. Mir ging es auch nicht immer so gut damit. Wenn du über deine Verletzungen sprichst, findest du sie wieder. Aber im Resultat hat es der Platte gut getan – und es hat auch mir gut getan.”
 
Das zeigt sich nicht nur im Inhaltlichen, sondern auch in der Musik selbst. Der klassische Joy-Sound, mit seinen Wurzeln im Gospel, Afrobeat und 70s-Soul, wird auf “Gleisdreieck” ergänzt und stellenweise ersetzt von einem kristallinen Future R&B und entwaffnend elegantem Großstadtpop. Die Produktion von KAHEDI (alias Samon Kawamura, Max Herre und Roberto Di Gioia), Tua, Alex Freund und Ben Bazzazian ist unbedingt im Moment und schwebt doch über den Trends und Trendchen, die einem Woche für Woche in den Feed schwappen. Es sind Nuancen – der Hall auf einer Bassline, eine leicht manipulierte Stimme, die Ahnung eines Drops. Doch sie geben den Songs ihre Dringlichkeit, machen aus klassischer Schönheit echte Hits fürs Heute. Immer wieder tauchen auf dem Album auch Rap-Strophen auf, wie flüchtige Begegnungen in einer überfüllten Nacht. Der junge Berliner Chima Ede ist ebenso zu hören wie Deutschlands kommender Trap-King Rin, die talentierte Hamburgerin Eunique, Tua, Megaloh, Ahzumjot, Marteria. Sie alle ergänzen Joys Geschichte/n mit ihren persönlichen Perspektiven und verorten sie noch klarer im Hier und Jetzt.
 
All das kommt schließlich zusammen auf dem finalen Stück des Albums, “Zuhause”. Musik ist nur ganz wenig: eine akustische Gitarre, eine simple, beinahe kindliche Melodie. Joy spricht darin mit ihrer 2001 verstorbenen Mutter, deren Rat sie stets gesucht hat und die ihr nach wie vor eine Art Kompass ist auf dem Weg durch das, was man früher etwas leichtfertig Erwachsenenleben nannte. Auf dem Weg zu einer Studiosession ist sie zwei älteren Frauen begegnet, die in vollem Bewusstsein ihrer Anwesenheit über “diese Flüchtlinge” herzogen: Ein endloser Strom aus Vorurteilen, Fehlinformation, Angst und Missgunst. Sie geht durch die Straßen, die auch ihre sind, und fühlt sich urplötzlich fremd. “Wo ist mein Zuhause?” Sie weiß es tatsächlich nicht in diesem Moment. Also fragt sie ihre Mutter.
 
“Komm nach Hause”, sagt die Geistergedichtstimme vom Beginn des Albums, so wie früher die Mutter rief, wenn Joy zwischen den Bahngleisen spielte und es langsam spät wurde. “Das ist dein Zuhause”, sagt nun die Mutter. Genau hier bist du richtig. Ich verspreche es dir. Hier am Gleisdreieck. Hier in Berlin. Hier in Deutschland und überall sonst, wo du gerne sein möchtest.
 
Davide Bortot, 2016
 

Musik